Das Thema Pflege gewinnt immer mehr an Bedeutung. Schließlich steigt die Lebenserwartung hierzulande stetig an und damit erhöht sich leider auch die Anzahl der Pflegebedürftigen. Waren 1999 noch gut zwei Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig, hat sich die Zahl 2019 bereits verdoppelt. Rund vier von fünf Menschen, die aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigung auf die Hilfe anderer angewiesen sind, werden dabei zu Hause versorgt. Laut Statistischem Bundesamt meist durch pflegende Angehörige.
Dabei sind unter den pflegenden Familienmitgliedern etwa 480.000 Kinder und Jugendliche, wie die medienkritische NGO Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) warnt. Das sind über sechs Prozent der 10- bis 19-Jährigen hierzulande. Gleichwohl das deutsche Pflegesystem auch von der familiären Bereitschaft zur Pflege abhängt, handelt es sich um ein Thema, das in der Öffentlichkeit nur marginal behandelt und entsprechend wenig wahrgenommen wird. „Pflegeverantwortung in jungen Jahren ist weder selten noch voraussehbar; sie kann jedes Kind treffen“, so INA.
Oft pflegen die Kinder und Jugendliche ihre Eltern, Großeltern oder Geschwisterkinder, mitunter auch entferntere Verwandte. Die sogenannten „Young Carer“ übernehmen Aufgaben im Haushalt, unterstützen emotional, bei medizinischen Tätigkeiten oder beim Thema Körperhygiene. Einige junge Pflegende helfen dabei anderen Familienmitglieder bei der Pflege, wieder andere sind sogar ganz allein für die Versorgung verantwortlich.
Problem: Die Frage der Haftung
„Obwohl sie damit einen enormen Dienst für die Gesellschaft leisten, spielen junge Pflegende kaum eine Rolle in der öffentlichen Diskussion“, kritisiert die INA und warnt vor den psychischen und physischen Folgen für die Altersgruppe. „Eine Reform des Pflegerechts zugunsten pflegender Kinder und Jugendlicher ist über kurz oder lang unumgänglich.“ Neben der fehlenden Rechtsgrundlage und dem Manko an einem gesamtgesellschaftlichen Bewusstsein für minderjährige Pflegende, führt der Digitalmakler Clark auch die problematische Versicherungssituation an.
Zwar seien die Minderjährigen als Pflegende über eine erweiterte gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Allerdings sei die Frage der Haftung schwierig: Die Privathaftpflicht greift, wenn man jemandem einen Schaden zufügt. Doch sind die Kinder oftmals über ihre Angehörigen versichert und derlei Schäden werden damit nicht von einer Versicherung übernommen. Darüber hinaus seien ohnehin Schäden unter Personen, die in einer häuslichen Gemeinschaft leben, meistens ausgeschlossen – selbst wenn das Kind über eine eigene Privathaftpflichtversicherung verfüge. Eine Pflegeversicherung, die die Mehrkosten für eine professionelle Pflege trägt, ist darum ein geeigneter Weg, dieses Dilemma zu umgehen.
Ein anderes Problem sind die Folgen des Pflegens für die mentale und körperliche Gesundheit der Kinder. Demnach werden die Konsequenzen, die hohe Belastungsphasen im jungen Alter nach sich ziehen, häufig unterschätzt. Sie können später die eigene Arbeitskraft einschränken, weswegen das Insurtech dazu rät, sich frühzeitig mit einer möglichen Berufsunfähigkeit auseinanderzusetzen.
Doch eine solche Beschäftigung setzt voraus, dass sich Betroffene ihrer eigenen Situation überhaupt bewusst sind, zumal das auch von Minderjährigen, die durch die Pflege stark beansprucht sind, viel verlangt sein mag. Johanna Bätz, Koordinatorin des DAK-Pflegereports, weist deswegen eindringlich darauf hin: „Es ist wichtig, dass wir (die Betroffenen) aufmerksam machen, dass sie sich Unterstützung suchen können und dass es auch ihr gutes Recht ist, das zu dürfen. Aber das tut man natürlich nicht, wenn man gar nicht weiß, wo man steht.


