Verwahrentgelte treffen immer kleinere Sparguthaben

Bereits knapp 300 Banken hierzulande zapfen die Tagesgeld- und Girokonten ihrer Privatkunden an. Immer häufiger treffen die Verwahrentgelte kleine Guthaben, teils schon ab dem ersten Euro. Verbraucherschützer kritisieren intransparente Anbieter-Infos.

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) schlägt auch immer mehr auf Verbraucher durch. Längere Zeit waren nur Firmenkunden von sogenannten Verwahrentgelten aufs Guthaben betroffen. Doch seit vergangenem Jahr mehren sich die faktischen Negativzinsen (fast immer übersteigen diese den Guthabenzins auf Tagesgeld- und Girokonten) auch bei Privatkunden.

Das Vergleichsportal Verivox listet aktuell 232 Banken, die Verwahrentgelte auf ihren Internetseiten ausschreiben. Weitere 15 erheben zwar keine prozentualen Negativzinsen, verlangen aber Gebühren für das üblicherweise kostenlose Tagesgeldkonto. Ebenfalls 15 Geldhäuser hätten zu einem früheren Zeitpunkt Negativzinsen oder Gebühren für ihr Tagesgeldkonto auf ihren Internetseiten veröffentlicht. Diese Informationen seien mittlerweile aber nicht mehr auffindbar. Weitere 24 würden, Medienberichten zufolge, Negativzinsen erheben. Online zugängliche Quellen gebe es bei diesen aber nicht. Insgesamt sind das 286 regionale und überregionale Institute, die das Sparguthaben ihrer Privatkunden anzapfen – fast 100 mehr als noch im Oktober.

Häufig 0,5 Prozent pro Jahr

Damals hatte das Online-Portal Biallo die Daten zusammengetragen, auf die auch Verivox seine Auflistung überwiegend stützt. Demnach erheben die meisten Banken erst ab einem bestimmten Freibetrag Verwahrentgelte von ihren Privatkunden und auch nur für das Guthaben, das den Freibetrag überschreitet. Dieser liegt in vielen Fällen bei 100.000 Euro, beispielsweise bei der Deutschen Bank. Dort werden, wie bei den meisten anderen Anbietern auch, per anno 0,5 Prozent auf dem Girokonto, Tagesgeld- oder Verrechnungskonto fällig. Wer dort zum Beispiel ein Jahr lang 150.000 Euro liegen hat, muss dafür 250 Euro Verwahrentgelt leisten.

Mittlerweile wächst allerdings die Anzahl der Banken, die deutlich kleinere Privatkundenguthaben anzapfen, immer häufiger schon ab 25.000 Euro. Und das, obwohl die Inflation schon genug an den Sparbeiträgen nagt. Die Vergleichsportale listen sogar 15 Geldhäuser, die Verwahrentgelte schon ab dem ersten Euro verlangen. Dabei handelt es sich überwiegend um regionale Sparkassen und Volksbanken/Raiffeisenbanken.

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Das missfällt den Verbraucherschützern. Vor allem deshalb, weil die Institute aus ihrer Sicht nicht ausreichend transparent darüber informieren würden, ob, ab welchem Guthaben und für welche Konten sie Verwahrentgelte verlangen. Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) kritisierte am Montag, dass diese Informationen auf den Internetseiten und im Werbematerial der Anbieter oft nur unvollständig oder gar nicht vorhanden seien.

Die Deutsche Kreditwirtschaft als Stimme sowohl des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands als auch des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken erklärte dazu heute auf procontra-Nachfrage:

Die Einführung von Verwahrentgelten ist für kein Kreditinstitut eine leichte Entscheidung und angesichts einer extrem herausfordernden Marktsituation immer eine Maßnahme, die besonders intensiv in den Instituten abgewogen wird. Dort, wo sich Banken oder Sparkassen für Verwahrentgelte entscheiden, tun sie dies in einzelnen, meist spitzen Kundensegmenten, um die breite Masse der Kunden vor solchen Entgelten möglichst zu schützen. Dabei gilt, dass Verwahrentgelte stets mit den Kunden vereinbart werden, unabhängig davon, ob es sich um Neu- oder Bestandskunden handelt. Das passiert meist schriftlich, oft aber auch in einem persönlichen Gespräch, in dem auch alternative Anlageformen betrachtet werden.

3 einfache Tipps

Banken und Sparkassen wenden sich auch zunehmend an ihre vermögenden Bestandskunden. Diese sollen Verwahrentgelt-Vereinbarungen unterschreiben. Ob sie das wirklich tun sollten, fragte procontra den Verbraucherschützer Niels Nauhauser. Wer Negativzinsen auf sein Guthaben entgehen will, für den hat Biallo drei einfache Tipps:

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