procontra: Herr Krüger Kassissa, Sie haben sich auf niedergelassene Ärzte spezialisiert. Was gilt es da zu versichern?
Robert Krüger Kassissa: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Absicherungen für die Person und für die Praxis. Wer sich selbstständig macht, braucht unbedingt eine Berufshaftpflicht – auch eine Rechtsschutz-Versicherung ist fast Pflicht. Zudem sind Berufsunfähigkeits- und Krankentagegeldversicherungen für Selbstständige unverzichtbar. Die Praxis wiederum braucht eine Praxisinhaltsversicherung, die die teuren Geräte absichert und gegebenenfalls eine Praxisausfallversicherung. Auch Cyberrisk-Policen werden für Praxen immer wichtiger, schließlich handelt es sich hier um hochsensible Gesundheitsdaten.
procontra: Gibt es etwas, worauf Makler besonders achten müssen?
Krüger Kassissa: Viele Ärztinnen und Ärzte sind unterversichert. Sie übernehmen eine Praxis mit alten Gerätschaften und Policen und investieren bei der Übernahme oder im Laufe der Jahre in neue Geräte. Das ist teuer: Ein Behandlungsstuhl für eine zahnärztliche Praxis fängt bei 30.000 bis 40.000 Euro pro Stück an. Da passiert es schnell, dass die alte Praxisinventarversicherung eine Schadenssumme von 200.000 Euro abdeckt, der Inhalt aber das Fünffache wert ist. Vom Umsatzausfall bei einem Wasserschaden beispielsweise ganz zu schweigen. Gleiches gilt bei Personenversicherungen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung vom Beginn ihrer Karriere sieht vielleicht eine BU-Rente in Höhe von 1.500 Euro vor, das ist bei den Einkommenszuwächsen im Laufe ihres Berufslebens nicht mehr angemessen. Damit keine Versorgungslücke entsteht, sollte man bei der Beratung unbedingt ein Auge auf die Versicherungssummen haben und vor allem die Policen regelmäßig überprüfen.
procontra: Welche Themen werden Ärzte-Berater in Zukunft beschäftigen?
Krüger Kassissa: Eine große Schwierigkeit ist der demografische Wandel. Wir haben jetzt schon Ärztemangel, besonders auf dem Land und bei den grundversorgenden Fachrichtungen. Viele Praxen müssen schließen, weil sie keine Nachfolger finden. Ebenso hat die Zuwanderung von ausländischen Ärztinnen und Ärzten nachgelassen. Eine Studie der Robert-Bosch-Stiftung prognostiziert, dass im Jahr 2035 rund 11.000 Hausarztstellen unbesetzt sein werden. 40 Prozent der Landkreise werden unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht sein. Das erwartet uns auch bei den Zahnärztinnen und Zahnärzten: In Berlin beispielsweise liegt das mittlere Alter der Berufsgruppe bei 54 Jahren. Zudem wollen viele lieber in die Anstellung als in eine eigene Praxis. Ich habe mich auf niedergelassene und niederlassungswillige Heilberufler spezialisiert, auch mein Kuchen wird künftig immer kleiner werden.
procontra: Wie gehen Sie damit um?
Krüger Kassissa: Ich habe mein Angebot erweitert, um mich abzuheben. Ärztinnen und Ärzte haben keine Zeit, sich mit anderen Sachen als ihrer Arbeit zu beschäftigen. Sie wollen am liebsten alles aus einer Hand haben. Ich berate deshalb nicht nur zu Versicherungen und Finanzierungen, sondern biete beispielsweise auch eine Praxisvermittlung an. Und auch bei anderen Fragen habe ich zumindest eine Person in meinem Netzwerk, die helfen kann. Das kann Expertise bei der Auswahl der richtigen Medizingeräte sein oder ein Steuerberater, der beim ersten Jahresabschluss hilft. Ich verstehe mich wie ein medizinisches Versorgungszentrum, in dem alle Fachrichtungen unter einem Dach arbeiten.

