Knapp 70 Großkonzerne – darunter der Versicherer Allianz, die Fondsgesellschaft Union Investment sowie die Bausparkasse Wüstenrot – machen sich für den Klimaschutz stark: Während der Sondierungsverhandlungen in Berlin üben sie mit einem Schreiben Druck auf die neue Bundesregierung aus und fordern den massiven Ausbau von Wind- und Solarparks sowie einen schnelleren Kohleausstieg. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien wie auch der erforderlichen Stromnetze muss […] massiv beschleunigt werden“, heißt es in dem Papier, das von der Unternehmerinitiative „Stiftung 2 Grad“ aufgesetzt wurde. Zu den Unterzeichnern gehören auch die Otto Group, Adidas, Vattenfall, Rossmann und Eon.
Konzerne hoffen auf neue Geschäftsfelder
Der konkrete Appell der Konzerne: Bis 2030 sollen mindestens 70 Prozent des steigenden deutschen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien abgedeckt werden. Bisher sind es weniger als 50 Prozent. „Die installierte Kapazität von Windkraft an Land und auf See sowie Photovoltaik muss dafür nahezu verdreifacht werden“, heißt es. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten ausreichend Flächen für neue Kraftwerkparks bereitgestellt und bestehende Anlagen nachgerüstet werden. In Kombination mit anderen Maßnahmen ließen sich dadurch „gezielt die Voraussetzungen für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung deutlich vor 2038 […] schaffen“.
So wollen die Konzerne schnell für klare Rahmenbedingungen sorgen, damit sie ihre Unternehmensstrategien danach ausrichten können – das Schreiben ist also aus einem gewissen Eigeninteresse heraus formuliert. Und: Die Unternehmen erhoffen sich neue Geschäfte beim Umbau der Wirtschaft. Entsprechend solle der Ausbau von Schlüsseltechnologien und Infrastrukturen für das Erreichen der Klimaneutralität nicht durch „langwierige und umständliche Planungs- und Genehmigungsverfahren ausgebremst werden“. Außerdem fordern die Konzerne, dass öffentliche Finanzmittel verstärkt genutzt werden, um „privates Kapital für Investitionen in klimaneutrale Zukunftstechnologien zu mobilisieren“.
Offensive zur Klimaneutralität in den ersten 100 Regierungstagen
Dabei nehmen die Unterzeichner des Schreibens auch auf das im Juni vom Bund beschlossene Klimaschutzgesetz Bezug. Dieses sieht vor, dass bis 2030 65 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als 1990 ausgestoßen werden. Laut der Unternehmerinitiative müsse dafür die neue Koalition in ihren ersten 100 Tagen eine „Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität“ vorlegen. Außerdem halten die Konzerne eine „klimafreundliche Reform des Steuern-, Abgaben- und Umlagesystems“ für nötig.
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