Zukunftspotenziale für die betriebliche Altersversorgung: Was junge Erwachsene erwarten

Bereits zum fünften Mal seit 2010 hat das Versorungswerk MetallRente junge Erwachsene zu ihrem Spar- und Vorsorgeverhalten befragt. Laura Leithold, Leiterin Angebote, Konsortialmanagement und Kommunikation bei MetallRente, analysiert die Ergebnisse insbesondere mit Blick auf den Wissensstand, Informationswünsche und Chancen für die Kommunikation von Arbeitgebern wie für die Beratung.

Auch für die heute junge Generation sind Betriebsrenten ein attraktives Angebot, das ihre Arbeitgeberwahl beeinflusst. Immerhin 47 Prozent der jungen Männer und 52 Prozent der jungen Frauen gehen davon aus, ihr Erwerbsleben bei einem Arbeitgeber zu bleiben. Das sind gute Nachrichten für Personalabteilungen und bAV-Berater, denn attraktive Betriebsrentenzusagen können hier im Gesamtpaket ein wichtiges Argument sein, gut ausgebildete Fachkräfte langfristig zu binden. Die Positionierung als sozial engagierter Arbeitgeber, der sich um eine gute Altersversorgung seiner Beschäftigten kümmert, ist dabei wichtiger denn je. Denn mittlerweile haben bereits 78 Prozent (!) der 17- bis 27-Jährigen Angst davor, im Alter arm zu sein.  

Junge Erwachsene wollen fürs Alter vorsorgen

Auch 2022 liegt die Altersvorsorge auf Platz 4 der wichtigsten Sparmotive junger Menschen und bleibt das Top-Motiv, um langfristig zu sparen. 60 Prozent der jungen Menschen, die sparen, tun dies, um im Alter genug Geld zur Verfügung zu haben. Damit ist die Bedeutung der Altersvorsorge für junge Menschen im Vergleich zu 2019 um vier Prozentpunkte gestiegen. Zwar sparen auch 2022 insgesamt 51 Prozent  der jungen Menschen für die Altersvorsorge, aber nur 37 Prozent tun dies regelmäßig. Dieser Wert ist im Vergleich zum Tiefststand 2019 mit 32% wieder gestiegen. Allerdings lag er 2010 schon einmal bei 3 Prozent bzw. 55 Prozent Alterssparern insgesamt.

Dieser Rückgang kann auch darauf zurückzuführen zu sein, dass die staatliche Förderung und die Nutzung von Zuschüssen junge Menschen kaum noch zur Vorsorge motiviert. 2010 gaben 44 Prozent der damals 17- bis 27-Jährigen die Förderung als Grund fürs Sparen an, heute sind es gerade noch 29 Prozent. Für Unternehmen wie Berater sind dies keine guten Nachrichten, denn gerade Auszubildende und Berufseinsteiger können ihre Sparbudgets mit staatlicher Förderung, tarifvertraglichen Leistungen und Arbeitgeberzuschüssen deutlich erhöhen – wenn sie davon wissen. Die Vorteile des geförderten, kollektiven Sparens aufzuzeigen ist damit kein Schnee von gestern, sondern wieder absolut notwendig.  

Aktien und Fonds boomen – und sind in der bAV gefragt  

Schaut man auf die Altersvorsorgeangebote, haben unter jungen Menschen alle Sparformen verloren – bis auf zwei: Mit einer Betriebsrente sorgen weiterhin 37 Prozent der 17- bis 27-Jährigen fürs Alter vor (2019: 38, 2010: 31). Auch unter den jungen Nicht-Sparern wäre eine Betriebsrente ganz klar das Mittel der Wahl: insgesamt 74 Prozent würden sich für ein Angebot vom Chef entscheiden. Aktien und Fonds für die Altersvorsorge erleben einen echten Boom und werden heute bereits von 5 Prozent der jungen Menschen für die Altersvorsorge genutzt (2019: 28 Prozent). Auch hier können Arbeitgeber und Berater profitieren, wenn sie der jungen Zielgruppe moderne, attraktive Angebote machen. Insbesondere Pensionsfonds, die hohe Aktienquoten und attraktive Renditen mit kollektiver Absicherung und staatlicher Förderung verbinden, sind dadurch gegenüber privaten Depots und ETFs entscheidend im Vorteil.

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Betriebsrenten genießen das höchste Vertrauen

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz hat erwartungsgemäß zu einem Anstieg von Arbeitgeberzuschüssen geführt: 2022 geben 76 Prozent der jungen Menschen mit bAV an, von ihrem Chef einen Zuschuss zu erhalten. Das sind 14 Prozentpunkte mehr als 2019. Zuschüsse wirken besonders motivierend: 72 Prozent stimmen zu, dass sich zusätzliche Altersvorsorge mit Beiträgen des Arbeitgebers trotz niedriger Zinsen noch lohnt. Mit freiwilligen Zuschüssen, Matching und Co. können Unternehmen sich hier langfristig attraktiv positionieren.

Dieses Engagement zahlt sich auch aus: im Vertrauens-Ranking der Altersvorsorgeangebote haben Betriebsrenten zu 2019 ganze 9 Prozentpunkte zugelegt und übertreffen damit alle anderen zusätzlichen Altersvorsorgeangebote. Nur die gesetzliche Rentenversicherung genießt weiterhin größeres Vertrauen bei der jungen Zielgruppe. Dass 49 Prozent der jungen Erwachsenen Angeboten ihres Arbeitgebers vertrauen, gleichzeitig aber nur 37 Prozent mit Betriebsrenten vorsorgen, zeigt, dass es in der Kommunikation noch Luft nach oben gibt. Vor allem muss sie regelmäßig erfolgen und sollte einfach verständlich und übersichtlich gestaltet sein.

Nicht nur junge Beschäftigte, die die bAV noch nicht nutzen, sollten angesprochen werden, sondern auch diejenigen, die bereits vorsorgen, dies aber noch nicht ausreichend tun. Dabei können auch einfache Mittel große Wirkung entfalten wie ein Flyer, der der jährlichen Standmitteilung beigelegt werden kann und auf den Termin des nächsten Beratungstags hinweist.

Renditen sind noch drin  

Erstmals sehen wir 2022 wieder höhere Zustimmungswerte dafür, dass von der kapitalgedeckten Altersvorsorge bessere Erträge als von der gesetzlichen Rente zu erwarten sind: 35 Prozent sehen das voll und ganz so, weitere 40 Prozent glauben, dass das eher möglich ist. 2019 waren junge Menschen noch deutlich skeptischer hinsichtlich der Erträge – obwohl der Garantiezins seitdem nochmals deutlich gesunken ist. Diese Einschätzung bestätigt, dass bei den jungen Menschen ein Umdenken in Richtung Sachwerte und Investments stattgefunden hat.

In direkter Konkurrenz zu Trading-Apps für Investments per Knopfdruck müssen die Besonderheiten und Vorteile kollektiver Kapitalanlage auch mit Blick auf die Leistungen überzeugen und kommuniziert werden. Dafür müssen in Betrieben Angebote mit einem schlüssigen, attraktiven Konzept inklusive tarifvertraglicher Leistungen und/oder Zuschüssen zur Wahl stehen. Mit der staatlichen Förderung und der Sicherheit, die Aktieninvestments im Kollektiv über den Betrieb immer bieten, können Betriebsrenten jedem Vergleich standhalten und bleiben die effizienteste Form der Altersvorsorge.  

Keine Angst vor mehr Risiken  

Die ideale Altersvorsorge muss aus Sicht der 17- bis 27-Jährigen sowohl sicher als auch renditestark sein: 94% wünschen sich eine entsprechende Kapitalanlage. Mit 68 Prozent gegenüber 58 Prozent geben noch etwas mehr junge Menschen an, dass ihnen die Sicherheit ihrer Beiträge „sehr wichtig“ ist. Gleichzeitig hat diese Generation längst verstanden, dass Sicherheit nicht Garantie bedeutet und eröffnet Unternehmen und Beratern damit den nötigen Argumentationsspielraum.

Nachdem wir junge Menschen bereits 2019 vor die Wahl zwischen Garantie und Rendite gestellt hatten, entscheidet sich 2022 die klare Mehrheit von 57 beziehungsweise 55 Prozent gegen Garantien und kann sich sogar schwankende Renten im Alter vorstellen, wenn im Gegenzug eine deutlich höhere Rendite lockt. Nur noch 9 Prozent würden sicher beziehungsweise 43 Prozent eher zugunsten (niedriger) Garantien noch auf Rendite verzichten. Betriebsrenten, insbesondere Pensionsfonds, bieten beides: Sicherheit durch kollektive Anlage und die arbeitsrechtliche Zusage wie eine attraktive Performance. Die in diesem Sinne „eierlegende Wollmilchsau“ ist gerade unter jungen Beschäftigten allerdings noch viel zu unbekannt und damit ein Angebots- und Kommunikationsauftrag für Berater wie Unternehmen.

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Kommunikation is key, aber Betriebsrente keine Unbekannte  

Neben Sicherheit und Rendite erwarten die 17- bis 27-Jährigen von ihrer Altersvorsorge ein Höchstmaß an Flexibilität und Service: 91% wollen ihre Beiträge gern flexibel anpassen können. 78 Prozent möchten zudem online möglichst alles selbst machen können. Nun basieren langfristige Sparprozesse auf regelmäßigen, planbaren Einzahlungen, denn aus unzuverlässigen Beiträgen resultieren keine verlässlichen Leistungen.  

Gerade Arbeitgeber tragen mit langfristigen Beiträgen und/oder Zuschüssen dazu bei, dass Beschäftigte am Ball bleiben. Am erfolgreichsten gelingt das, wenn sie ihren Mitarbeitenden über ein digitales Portal transparent Informationen zu Beiträgen, Förderung und Anwartschaft bereitstellen. Hier bieten die meisten Versorgungsträger bereits gute Lösungen an, die in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden. Unternehmen, die auf externe Durchführungswege setzen, müssen selbst also häufig gar nicht besonders viel tun, um den Anforderungen ihrer jungen Fachkräfte gerecht zu werden.  

Im Vergleich zur Riester-Rente hat die bAV unter den heute 17- bis 27-Jährigen einen Bekanntheitsvorsprung. Immerhin 39 Prozent trauen sich zu, die Funktionsweise der Betriebsrente einem Freund zu erklären. Dieser Wert ist auch seit 2010 konstant. Anders sieht es beim Wissen zur Riester-Förderung aus. Diese können heute nur noch 23 Prozent erklären. 2010 waren es noch 36 Prozent. Darüber hinaus sagen heute 47 Prozent der jungen Menschen, die bAV erklären können, dass sie auch vom Begriff „Bruttoentgeltumwandlung“ schonmal gehört haben – ein Wert, der seit 2010 von einem Niveau von 31 Prozent kontinuierlich gestiegen ist. Die Betriebsrente ist also keine Unbekannte.

Vielleicht begegnet die junge Zielgruppe der betrieblichen Altersversorgung auch noch zu wenig dort, wo sie nach Informationen sucht? Während das Internet mittlerweile für junge Menschen die mit Abstand wichtigste Informationsquelle zu Finanzthemen ist (75 Prozent), setzen sie bei Informationen zur Altersvorsorge weiterhin stark auf das persönliche Umfeld: 66 Prozent vertrauen der Familie, 51 Prozent Freunden und Bekannten, gefolgt von Bank- und Versicherungsberatern (46 Prozent). 37 Prozent recherchieren aber auch selbst im Internet und suchen dort nach Experten. Berater, die ihr Fachwissen regelmäßig auf ihrer Homepage, in Blogs und Foren sowie auf Social Media teilen, haben damit gute Chancen bei der online-affinen jungen Zielgruppe.

Aber auch Arbeitgeber, die z.B. in Newslettern oder im Intranet Informationen rund um das eigene Betriebsrentenangebot bereitstellen, können junge Fachkräfte hier gezielt erreichen. Nicht zu unterschätzen ist außerdem der Kollegenkreis und der Betriebsrat: immerhin 29  beziehungsweise 19 Prozent der 17- bis 27-Jährigen hören bei ihrer Altersvorsorgeentscheidung auch auf den Rat ihrer Kolleginnen und Kollegen. Das unterstreicht nochmals, dass mit dem Betriebsrentenangebot wichtige Multiplikatoren gewonnen werden können, wenn diese möglichst frühzeitig eingebunden werden.

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So punkten Sie bei jungen Fachkräften  

Die Ergebnisse der 5. MetallRente Jugendstudie zeigen nochmals deutlich die Zukunftspotenziale von Betriebsrenten für Arbeitgeber und Berater auf, wenn folgendes beachtet wird:  

1. Geförderte Vorsorge ist unschlagbar: Die Vorteile von staatlicher Förderung, Arbeitgeberzuschüssen und ggf. tarifvertraglichen Leistungen im Rahmen der Betriebsrente erhöht die Sparbudgets gerade junger Fachkräfte entscheidend. So kann ein Betriebsrentenangebot für Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Gewinnung und Bindung von Beschäftigten leisten. Allerdings ist dieser Fakt weiterhin zu wenig bekannt.

2. Auf die Leistung kommt es an: Arbeitgeber brauchen ein einfaches, attraktives Gesamtangebot inklusive Zuschüssen und ggf. weiteren Leistungen des Unternehmens. Vor allem der Durchführungsweg Pensionsfonds kann mit hohen Aktienquoten, passenden Renditen, kollektiver Absicherung und der staatlichen Förderung die investment-affine junge Zielgruppe überzeugen.  

3. Regelmäßige, übersichtliche Kommunikation – gern auch digital: Im Unternehmen können schon einfache Kommunikationsmittel wie Flyer, ein Info-Blatt zur jährlichen Standmitteilung oder ein Newsletter- oder Intranet-Beitrag große Wirkung entfalten. Berater, die ihr Fachwissen auch auf Blogs und Social Media teilen, holen junge Fachkräfte hier schon vor einem Gespräch gut ab. Für Arbeitgeber bieten viele Anbieter schon digitale Portale an, die in die Mitarbeiterkommunikation integriert werden können.  

4. Multiplikatoren gewinnen und aufbauen: Der Kollegenkreis und der Betriebsrat sind für junge Beschäftigte weiter eine wichtige Anlaufstelle. Mit regelmäßiger Kommunikation gerade auch an die schon „versorgte“ Belegschaft und auch frühzeitiger Einbindung bei Anpassungen des Betriebsrentenangebots wird Vertrauen aufgebaut, das auch die nächste Generation gewinnt.

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