Daten sind der Diamantenstaub der Gegenwart. Ob Informationen zu Kunden oder Maklern: Ohne sinnvolle Datenermittlung, -sammlung und deren geschickte Aufbereitung werden Versicherer den Anschluss verlieren. Wer nicht weiß, wie wichtig Telematik-Tarife für Kfz-Kunden sind, welche Versicherungen sie überhaupt suchen und welche Produkte sich konkret bevorzugen oder wo geeignete Makler für die jeweiligen Sparten sitzen, wird schon bald abgehängt.
Doch wie können Unternehmen an relevante und vor allem sauber analysierte Daten kommen? Eine Möglichkeit bietet das Start-up Insaas, das seit vier Jahren am Markt ist. Es bietet sogenannte datengetriebene Marktforschung für Versicherer an. „Unser Ziel ist die Umsatzsteigerung der Versicherer und Makler“, erklärt Korbinian Spann, Geschäftsführer von Insaas, auf der Branchenveranstaltung Digisurance am Donnerstag in Berlin.
„Es gibt Tonnen unstrukturierter Daten aus einer Vielzahl von Quellen“, sagt Spann. Aber nur ein Promillebereich der Versicherer arbeite bisher mit Daten. „Wir crawlen, säubern und mappen“, erklärt er in üblichem Informatiker-Slang. Um überhaupt an Daten zu kommen, durchpflügt die Software von Insaas öffentliche Datensätze wie sie zum Beispiel über die Seiten der Handelskammern zu bekommen sind. Aber auch Online-Bewertungen, Blogs oder Forenbeiträge fließen ein.
Darüber hinaus können Unternehmen interne Quellen wie E-Mails durchsieben. Also allesamt Daten, die bereits verfügbar sind, aber bislang oft noch nicht von Unternehmen beachtet und ausgewertet werden.
Maklern auf die Finger gucken
Mit der Insaas-Datensammlung können Versicherer beispielsweise herausfinden, was Kunden wollen, wie sie über bestimmte Versicherungsprodukte, aber auch über Makler selbst denken. Schließlich wird immer wichtiger, dass Makler auch digital gut aufgestellt sind. Ob das der Fall ist, können Versicherer anhand des Tools überprüfen. „Und sie dann bei der Entwicklung unterstützen“, so Sabine Sick-Nielsen, Key Account Managerin bei Rhion.digital, einem Unternehmen der Rheinland Versicherungsgruppe. Der Versicherer hat gemeinsam mit Insaas eine KI-basierte Plattform entwickelt, das das Maklernetzwerk von Rhion analysieren und optimieren soll.
Gerade in Zeiten des sukzessiven Maklerschwunds müssen Versicherungsunternehmen wissen, wie viele Makler es in einzelnen Regionen gibt, über welche Eigenschaften sie verfügen und welche Sparten sie bedienen. Zumal sich die Ergebnisse der Datensätze auch nach demografischen Merkmalen filtern lassen.
Auf Grundlage der Daten erstellt Insaas einen Makleratlas, der es möglich macht, die Makleraktivität zu tracken. „Wir wollen Versicherern helfen, Makler zu finden und verstehen“, so Spann. „Und wir wollen dem Vertrieb helfen herauszufinden, was Neu- und Bestandskunden wollen.“
Softwareprodukt für Makler in Planung
Noch bietet Insaas seine Dienste nur Versicherern an, neben Rhion und der Nürnberger seien es noch drei weitere Unternehmen. Wer das ist, wolle Spaan nicht sagen.
Derzeit arbeitet Insaas aber auch an Lösungen für Makler. Geplant ist ein Überblick über andere Makler in der jeweiligen Region, so dass Makler eventuelle Marktlücken erkennen und entsprechend besetzen können. Ende dieses Jahres, Anfang 2024 will das Start-up das Angebot auf den Markt bringen.
Auch Maklerpools nimmt das Start-up ins Visier: „Wir sprechen auch mit Pools, aber sie haben anderes Geschäftsmodelle“, so Spann. Dennoch bräuchte es für Pools kein anderes Produkt, aber einen anderen Produktschwerpunkt. Da Pools stark umsatzgetrieben sind, bräuchten sie wohl eher eine Auskunftei über die Kunden. „Versicherer wollen Maklern eher helfen, Pools schauen stärker auf die Performance.“
Preiswerter als der Marktkonkurrent?
Derzeit bietet Insaas drei Pakete für seine Kunden an: Eine Standardversion, über die nur die Makler-Datenbank zu sehen ist, eine erweiterte Version, in die sich auch die Daten des Versicherers einspeisen lassen und ein Premiumprodukt, in das auch andere Softwareprodukte wie Salesforce oder BSI integriert werden können.
Die Vertragslaufzeiten beginnen bei 12 Monaten und können bis zu drei Jahren laufen. Die Kosten richten sich nach dem jeweiligen Datenvolumen. Die günstigste Version beginnt bei etwa 25.000 Euro und steigert sich dann. Insaas will aber – gerade um auch für kleinere Versicherer attraktiv zu sein – deutlich günstiger als die Konkurrenz am Markt werden.
Von null auf 100 in 90 Sekunden
Doch Insaas will seine Software noch verbessern: Das Dashboard soll vereinfacht werden. In Zukunft soll es nur noch ein Schreibfeld geben und die Antwort auf die Frage soll auch gleich in den Kontext gestellt werden.
Fragt ein Versicherer nach Maklern, die im Gewerbemarkt aktiv sind, soll die Software nicht nur die Namen liefern, sondern gleich dazu auch, ob der Umsatz des Maklers zum Unternehmen passt, ob bestimmte Anforderungen stimmen wie beispielsweise der Digitalisierungsgrad.
Gibt es ein Match, schreiben die Versicherer den auserwählten Makler an, so wie sie es schon lange machen. Nur: Sie haben dann mehr Informationen parat und wissen, ob der Kontakt auch zum Versicherer passt.
Von null auf 100 in unter zwei Minuten, verspricht das Start-up. Gemeint ist: Über die Analyse könnten 100 Makler in 90 Minuten ausfindig gemacht werden. Im Dezember hat das Start-up im Auftrag von Rhion.digital mit einem Makler-Datensatz von 9.000 Kontakten angefangen. Mittlerweile, gerade einmal sechs Monate später, sind es bereits 43.000 Adressen.
Ein exponentielles Wachstum, das wieder zeigt, wie rasant die Entwicklungen voranschreiten. Ob die Versicherungsbranche mit dem Tempo Schritt halten kann, wird sich noch zeigen.

