Höchste Nettomittelabflüsse seit 2017
Die Flucht der Anleger aus offenen Immobilienfonds hält weiter an. Statt einer erhofften Entspannung verzeichneten die Fonds Rekordabflüsse, wie die Unternehmensberatung Barkow Consulting verkündet, die sich auf Daten der Deutschen Bundesbank bezieht. Nachdem die Fonds bereits im Januar Nettoabflüsse in Höhe von 499 Millionen Euro verzeichneten, flossen im Februar netto weitere 730 Millionen Euro ab. Das sind die höchsten Netto-Mittelabflüsse seit 2017.
Insgesamt mussten die Fonds bereits im neunzehnten Monat in Folge Netto-Mittelabflüsse hinnehmen. Insgesamt zogen die Kunden seit September 2023 rund 7,9 Milliarden Euro aus den Fonds ab.
Für die Fonds können die vermehrten Anteilsrückgaben zum Problem werden: Wollen zu viele Anleger ihre Anteile zurückgeben, müssen die Fonds, sofern sie nicht genügend liquide Mittel zur Verfügung haben, sich von Immobilien aus ihrem Portfolio trennen. Gelingt der Verkauf jedoch nicht zum Buchwert, droht eine Abwertung. Da es eine zwölfmonatige Frist für die Anteilsrückgabe gibt, haben die Fonds einen gewissen zeitlichen Puffer, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.
Die nun bekannt gewordenen Anteilsrückgaben stehen aufgrund der einjährigen Rückgabefrist auch häufig im Zusammenhang mit Ereignissen, die ein Jahr zurückliegen. Barkow Consulting hatte bereits im Januar gemutmaßt, dass die jetzigen Anteilsrückgaben mit der Pleite der Signa-Gruppe in Zusammenhang stehen könnten.
Spannend könnte es dann noch einmal im Sommer werden: Im vergangenen Juni hatte die ZBI Fondsmanagement GmbH eine Abwertung des „UniImmo Wohnen ZBI“ um 17 Prozent bekannt gegeben, was für ein großes mediales Echo gesorgt hatte. Wie Immobilienfonds-Anleger auf dieses Ereignis reagiert haben, wird man in diesem Sommer sehen.
Vor einer Panikmache warnte im Januar allerdings Sonja Knorr, Analystin bei der Ratingagentur Scope und einer der profiliertesten Experten für offene Immobilienfonds. Gegenüber dem Handelsblatt riet sie Anlegern dazu, die möglichen Vor- und Nachteile einer Rückgabe von Fondsanteilen genau abzuwägen. Ihr zufolge haben offene Immobilienfonds weiterhin eine Berechtigung als Baustein in einem diversifizierten Depot – jedoch als Langzeitanlage und nicht als Ersatz fürs Tagesgeld.