Die Lebensversicherung und der in der Ostsee verschwundene Mann

Ein Familienunternehmen der besonderen Art: Die Staatsanwaltschaft wirft einem Mann vor, seinen Tod vorgetäuscht zu haben um zusammen mit seiner Mutter und Frau Lebensversicherungsleistungen in Millionenhöhe zu erschleichen. Mittlerweile ist der Mann wieder aufgetaucht – und muss nun auf der Anklagebank Platz nehmen.

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10:12 Uhr | 07. Dezember | 2020
Gekentertes Boot Bild: Adobe Stock/ Yakiv

Boot ohne Besitzer: Erst Monate später fanden Polizeibeamte den verschwundenen Bootfahrer wieder - auf dem Dachboden seiner Mutter. Bild: Adobe Stock/ Yakiv

Für viele Deutsche gilt der Betrug der Versicherung offenbar als Kavaliersdelikt – Umfragen zufolge hat es jeder zehnte Deutsche schon einmal bei der Schadensmeldung mit der Wahrheit offenbar nicht so genau genommen bzw. kennt jemanden aus dem eigenen Umfeld, der seine Versicherung betrogen hat. Jahr für Jahr entsteht den Versicherern allein in der Schaden- und Unfallversicherung so ein Schaden in Höhe von fünf Milliarden Euro. Jede zehnte Schadensmeldung gilt als dubios.

Mit diesem Wort lässt sich auch ein Fall beschreiben, der sich ab dieser Woche vor dem Kieler Landgericht abspielen wird. Auf der Anklagebank befindet sich gleich eine ganze Familie. Laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ müssen sich ein 53-Jähriger, seine Frau sowie seine 87-jährige Mutter wegen versuchten Betrugs in 14 Fällen verantworten.  

Dem Mann wird vorgeworfen, seinen Tod auf der Ostsee vorgetäuscht zu haben, um aus diversen Lebens- und Unfallversicherungen Leistungen in Höhe von insgesamt 4,1 Millionen Euro zu erschleichen. So soll der Mann Anfang Oktober vergangenen Jahres mit einem kleinen Motorboot von Kiel in Richtung Dänemark gestartet, dort aber nicht angekommen sein. Drei Tage später meldete ihn seine Frau als vermisst. Suchmannschaften fanden kurze Zeit später das gekenterte Boot in der Kieler Förde auf – von dessen Besitzer gab es allerdings weiterhin keine Spur.  

Neben mehreren Ungereimtheiten fanden die Ermittler auch heraus, dass der Mann im Jahr zuvor mehrere Lebensversicherungen abgeschlossen hatte, die im Fall seines Todes seine Frau sowie Mutter begünstigten. Den Antrag auf Leistungen war von den beiden offenbar bereits gestellt worden.  

Im folgenden Frühsommer fand sich auch der Vermisste wieder – Polizeibeamte fanden ihn, versteckt hinter Kartons, auf dem Dachboden seiner Mutter. Nun muss sich die Familie vor Gericht verantworten, die Vorwürfe weist sie zurück. Mit einem Urteil wird Ende Januar gerechnet.