Fehde um FIDA

FIDA und die Versicherer: Innovation oder Kostenfalle?

Die geplante Financial Data Access Regulation (FIDA) spaltet die Versicherungsbranche. Während Befürworter auf digitale Innovationen setzen, warnt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor hohen Kosten und fraglichem Mehrwert. Der EU-Gesetzesprozess läuft – doch die Kritik reißt nicht ab.

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10:04 Uhr | 01. April | 2025
Ein Knoten an dem von verschiedenen Strängen gezogen wird

Beim Thema FIDA zieht die Versicherungswirtschaft nicht an einem Strang.

| Quelle: Andriy Onufriyenko

Das Thema Financial Data Access Regulation (FIDA) wird in der Versicherungsbranche kontrovers diskutiert. Und immer mehr bilden sich zwei Lager – starke Befürworter und ebenso starke Gegner. Zum Trilogstart der FIDA warnt aktuell der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor massiven Belastungen durch das geplante System zur Weitergabe von Kundendaten an Dritte.

Der Verband befürchtet hohe Kosten für die Versicherer bei unklarem Mehrwert: „Im Sinne der Bemühungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit seitens der EU muss Brüssel die Prioritäten klarer setzen. Angesichts des ohnehin knappen Marktes für IT-Fachkräfte sollten Ressourcen für Zukunftstechnologien eingesetzt werden können – anstatt sie durch weitere regulatorische Aufgaben zu binden“, heißt es in einer Meldung. FIDA ziele darauf ab, Kunden den Zugang zu ihren Finanzdaten zu erleichtern und deren Weitergabe an Drittanbieter zu ermöglichen. Digitale Innovationen in der Finanzwirtschaft sollen durch den Datenaustausch gefördert werden. Doch die Nachfrage nach einem solchen System sei bislang nicht belegt.

„Der Mehrwert von FiDA bleibt fraglich“, sagt auch Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI. „Nur wenige Kunden nutzen die durch die EU-Regulierung PSD2 bereits bestehende Möglichkeit zur Öffnung ihrer Kontodaten für andere Zahlungsdienstleister. Durch FiDA würde für alle Anbieter von Kundendaten die Bürokratielast weiter steigen.“

Ablehnung aus Selbstschutz?

Dass Finanz- und Versicherungsunternehmen dem Thema kritisch gegenüberstehen, ist kein Wunder. Die Sorgen, dass die Versicherungswirtschaft auf diese Art und Weise für die US-Technologieunternehmen zu einem neuen Geschäftsmodell avancieren könnte, ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen. „FIDA erhöht die Gefahr, dass große Technologiekonzerne den Finanzvertrieb in Europa übernehmen. FiDA wäre ein weiterer Schlag für die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzindustrie und sollte deshalb zurückgezogen werden", sagt Richter vom BVI. Zudem sehen viele Experten aus beiden Lagern noch Verbesserungsbedarf in dem Gesetzesentwurf.

In einer Kolumne auf dem Portal paymentandbanking.com warnt hingegen Open-Finance-Expertin Nicola Breyer davor, FIDA generell abzuschmettern. Es sollte vielmehr um das „Wie“ als um das „Ob“ gehen. „Lasst uns konstruktiv darüber sprechen, wie wir große Themen wie den Umbruch in der Finanzberatungsbranche, spitzen Customer Experience durch den Einsatz von (generativer) KI, das weitere Erschließen rein digitaler Kundengruppen, sowie Effizienzgewinne in den Unternehmen durch standardisierten und strukturierten Datenaustausch durch den Einsatz von Open Finance umsetzen können“, so Beyer in ihrer Kolumne. Stattdessen bräuchte man Use Cases, an denen die Branche gemeinsam arbeiten könne.

Weiterer Gesetzgebungsprozess

Um den Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zu finalisieren, muss FiDA im Trilogverfahren einen gemeinsamen Verhandlungsprozess mit dem Europäischen Parlament und dem Rat der EU durchlaufen. Ein Abschluss der Verhandlungen wird voraussichtlich unter der dänischen Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2025 erwartet.